Verbessern

TYPO3-Barrierefreiheit nach BITV 2.0 und BFSG

Barrierefreiheit entsteht an zwei Stellen: im Sitepackage und in der täglichen Redaktionsarbeit. Die Technik lässt sich einmal richtig bauen. Ob es so bleibt, entscheidet sich danach bei jedem neu angelegten Inhalt.

Zwei Ebenen, die man nicht trennen kann

Der technische Teil ist die Grundlage: Markup mit sinnvoller Semantik, ausreichende Kontraste, Bedienbarkeit ohne Maus, sichtbarer Fokus, Trefferflächen, die man auch auf einem Telefon trifft. Das lässt sich im Sitepackage einmal richtig anlegen.

Der redaktionelle Teil entsteht täglich neu. Jedes Bild braucht eine Entscheidung über den Alternativtext, jede Überschrift eine über ihre Ebene, jeder Link einen Text, der auch außerhalb des Satzes verständlich ist. Wenn diese Ebene fehlt, ist die beste technische Grundlage nach einem halben Jahr wieder aufgebraucht.

Kontrast ist eine Entscheidung über Farben, nicht über Geschmack

Der häufigste Konflikt in Projekten: eine Hausfarbe, die auf hellem Grund den geforderten Kontrast nicht erreicht. Der Reflex ist dann, die Marke anzupassen, was verständlicherweise auf Widerstand stößt.

Der bessere Weg ist ein zweiter Farbwert für Fließtext, der dieselbe Sättigung behält und nur dunkler ist. Die Markenfarbe bleibt dort, wo sie funktioniert: auf Flächen, in großen Schriftgraden und auf dunklem Grund. So bleibt der Auftritt erkennbar und der Text lesbar.

Ehrlich dokumentieren

Zur Barrierefreiheitserklärung gehört die Angabe bekannter Einschränkungen. Das fühlt sich unangenehm an und ist trotzdem der bessere Weg: Eine Erklärung, die Vollständigkeit behauptet, hält der ersten Prüfung nicht stand.

Wir halten deshalb fest, was erreicht ist, was noch offen ist und wann es angegangen wird. Das ist überprüfbar und damit belastbarer als eine pauschale Aussage.

Was dazugehört

Ist-Zustand prüfen

Automatisierte Prüfung für die messbaren Kriterien, manuelle Kontrolle für alles, was ein Werkzeug nicht sieht: Tastaturbedienung, Fokusreihenfolge, sinnvolle Alternativtexte.

Umsetzung im Sitepackage

Semantisches Markup, ausreichende Kontraste, sichtbarer Fokus, bedienbare Trefferflächen und eine Überschriftenhierarchie ohne Sprünge.

Redaktion absichern

Inhaltselemente so bauen, dass die naheliegende Bedienung auch die barrierefreie ist. Pflichtfeld statt Bitte für den Alternativtext.

Formulare

Beschriftungen, die mit dem Feld verknüpft sind, verständliche Fehlermeldungen und eine Bedienung, die ohne Maus funktioniert.

Schulung

Was Redakteurinnen und Redakteure selbst in der Hand haben: Alternativtexte, Überschriften, aussagekräftige Linktexte, Tabellen mit Kopfzeilen.

Barrierefreiheitserklärung

Die formale Erklärung mit ehrlicher Angabe bekannter Einschränkungen und einem Weg, Probleme zu melden.

Häufige Fragen

Betrifft uns das BFSG überhaupt?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betrifft bestimmte Produkte und Dienstleistungen im Verbrauchergeschäft, darunter den elektronischen Geschäftsverkehr. Öffentliche Stellen unterliegen ohnehin schon der BITV 2.0.

Ob dein Fall darunterfällt, ist eine juristische Frage, und die beantworten wir nicht. Wir setzen die technischen Anforderungen um und sagen dir, welchen Stand die Seite danach erreicht. Die rechtliche Einordnung gehört in fachkundige Hände.

Reicht ein automatisierter Test?

Nein. Werkzeuge finden zuverlässig, was sich messen lässt: fehlende Alternativtexte, unzureichende Kontraste, fehlende Beschriftungen. Das ist ein nützlicher Teil, aber nur ein Teil.

Ob ein Alternativtext das Bild tatsächlich beschreibt, ob die Reihenfolge beim Tabben sinnvoll ist und ob man die Seite ohne Maus bedienen kann, sieht kein automatischer Test. Diese Prüfungen macht man von Hand.

Was können unsere Redakteure kaputt machen?

Einiges, meist ohne es zu merken. Überschriften, die nur wegen der Optik gewählt werden. Alternativtexte, die den Dateinamen wiederholen. Linktexte wie hier klicken, die außerhalb des Satzes keine Bedeutung haben. Tabellen als Layout-Hilfsmittel.

Deshalb bauen wir die Inhaltselemente so, dass der bequeme Weg der richtige ist, und schulen den Rest. Technik allein hält den Zustand nicht.

Lässt sich eine bestehende Seite nachrüsten?

Meistens ja, mit unterschiedlichem Aufwand. Kontraste und Fokusdarstellung sind vergleichsweise schnell zu beheben. Aufwendiger wird es, wenn die Struktur des Markups nicht stimmt oder eigene interaktive Elemente ohne Tastaturbedienung gebaut wurden.

Am Anfang steht deshalb eine Prüfung, aus der hervorgeht, was mit wenig Aufwand geht und was ein größerer Eingriff wäre.

Wo steht die Seite gerade?

Wir sehen uns den Ist-Zustand an und ordnen die Funde nach Aufwand und Wirkung. Daraus wird eine Reihenfolge, die man abarbeiten kann.