Entscheidungshilfe

TYPO3-Agentur auswählen: worauf es tatsächlich ankommt

Wer eine TYPO3-Agentur sucht, vergleicht meist Angebote, die sich schwer vergleichen lassen. Hilfreicher als der Preisvergleich sind ein paar Fragen, deren Antworten viel über die spätere Zusammenarbeit verraten.

Der Preis ist der schlechteste Vergleichsmaßstab

Angebote für dasselbe Vorhaben können weit auseinanderliegen, ohne dass eines davon unseriös wäre. Die Ursache sind unterschiedliche Annahmen: Wie viele individuelle Inhaltselemente sind gemeint? Wer schreibt die Texte? Ist die Migration bestehender Inhalte enthalten? Wird der Altbestand aufgeräumt oder übernommen?

Bevor man Zahlen vergleicht, lohnt es sich deshalb, die Annahmen zu vergleichen. Häufig löst sich der Unterschied dabei auf.

Fragen, die etwas verraten

Was passiert nach dem Livegang? Wer darauf eine konkrete Antwort hat, hat den Betrieb mitgedacht. Wer ausweicht, plant bis zur Abnahme.

Wie geht ihr mit Updates um? Die Antwort zeigt, ob der Lifecycle von TYPO3 im Denken vorkommt oder ob Updates als Störung behandelt werden.

Was passiert, wenn wir die Zusammenarbeit beenden? Eine unangenehme Frage mit hohem Erkenntniswert. Liegt der Code in einem Repository, auf das wir Zugriff haben? Ist dokumentiert, wie ein Deployment abläuft? Können wir die Installation an jemand anderen übergeben?

Wo liegt die Konfiguration? Wenn wesentliche Einstellungen in der Datenbank statt in versionierten Dateien liegen, ist die Installation schwer übergebbar und schwer nachvollziehbar.

Was würdet ihr uns abraten? Wer auf alles zustimmend reagiert, hat entweder nicht zugehört oder wird im Projekt keine Einwände äußern. Beides ist ungünstig.

Antworten, die aufhorchen lassen

Ein fester Preis für ein Projekt, dessen Umfang noch nicht geklärt ist. Entweder ist großzügig aufgeschlagen, oder es folgen Nachträge.

Die Zusage, ein Standard-Theme anzupassen, wenn eigentlich individuelle Anforderungen im Raum stehen. Das wird beim ersten Abweichen teuer.

Auffällig kurze Zeitpläne bei Projekten, deren Inhalte noch nicht existieren. Der Engpass ist fast nie die Entwicklung.

Vage Aussagen zu Barrierefreiheit. Seit dem BFSG ist das für viele Auftritte keine Kür mehr; eine Agentur sollte dazu eine klare Position haben.

Woran gute Angebote erkennbar sind

Sie benennen ihre Annahmen. Sie unterscheiden zwischen einmaligem Aufwand und laufenden Kosten. Sie arbeiten mit Spannen, wo Unsicherheit besteht, statt Genauigkeit vorzutäuschen. Sie sagen, was nicht enthalten ist.

Und sie enthalten mindestens eine Stelle, an der etwas anders vorgeschlagen wird als angefragt. Das ist ein Zeichen dafür, dass jemand über die Anfrage nachgedacht hat, statt sie abzuarbeiten.

Größe ist kein Kriterium für sich

Große Agenturen bringen Kapazität und Vertretungsregelungen mit; man arbeitet dafür selten mit denselben Personen von Anfang bis Ende.

Kleine Teams bieten direkte Wege und Kontinuität; dafür ist die Kapazität begrenzt, und Urlaubszeiten sind spürbarer.

Beides funktioniert. Wichtig ist, dass die Erwartung zur Realität passt: Wer kurze Wege will, sollte nicht die größte Agentur wählen, und wer Ausfallsicherheit braucht, nicht die kleinste.

Was Mitgliedschaften und Zertifikate aussagen

Rund um TYPO3 begegnen dir zwei Arten von Abzeichen: Mitgliedschaften in der TYPO3 Association und persönliche Zertifizierungen für Entwicklung, Integration oder Redaktion. Beide stehen auf vielen Agenturseiten, und beide werden regelmäßig überbewertet.

Eine Mitgliedschaft ist eine Förderung. Der Beitrag fließt in Entwicklung, Sicherheitsarbeit und Infrastruktur des Systems. Sie sagt etwas über das Verhältnis einer Firma zum Projekt aus und nichts über die Qualität einer konkreten Umsetzung. Wer sie dir als Qualifikation verkauft, verkauft dir eine Spende als Prüfung.

Eine Zertifizierung ist eine bestandene Prüfung, abgelegt von einer einzelnen Person zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das ist mehr, als eine Mitgliedschaft aussagt, und trotzdem kein Ersatz dafür, sich Code und Arbeitsweise anzusehen. Frag im Zweifel nach, wer im Team zertifiziert ist und ob diese Person auch an deinem Projekt arbeitet.

Beides ist ein Hinweis, kein Beweis. Der belastbarste Anhaltspunkt bleibt derselbe: eine bestehende Installation zeigen lassen und fragen, wer daran gearbeitet hat.

In eigener Sache, damit es nicht unausgesprochen bleibt: Die aceArt GmbH ist Silver Member der TYPO3 Association, und der Badge steht auf diesen Seiten. Gemeint ist damit genau das, was hier steht. Er ersetzt keine der Fragen aus diesem Ratgeber.

Wer nicht neu vergibt, sondern eine bestehende Betreuung ablöst, findet die Übergabeseite dieser Frage unter Die Agentur wechseln.

Häufige Fragen

Sollte man mehrere Angebote einholen?

Ja, aber nicht, um den günstigsten Preis zu finden, sondern um zu sehen, wie unterschiedlich das Vorhaben verstanden wird. Angebote, die stark auseinanderliegen, beruhen fast immer auf unterschiedlichen Annahmen.

Aufschlussreich ist die Rückfrage, welche Annahmen jeweils getroffen wurden. Wer sie benennen kann, hat nachgedacht; wer ausweicht, hat geschätzt.

Wie wichtig sind Referenzen aus der eigenen Branche?

Weniger wichtig, als oft angenommen. Entscheidender ist, ob vergleichbare technische Anforderungen schon einmal gelöst wurden: Mehrsprachigkeit, mehrere Domains, Schnittstellen, differenzierte Rechte.

Eine Agentur, die zwanzig Seiten in der eigenen Branche gebaut hat, aber noch nie eine Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem, hilft bei genau dieser Anforderung wenig.

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Stell uns diese Fragen

Wir beantworten sie gern, auch bevor über ein Angebot gesprochen wird. Ein Gespräch, aus dem klar hervorgeht, dass es nicht passt, ist für beide Seiten nützlich.