Entscheidungshilfe
Die Agentur wechseln: ein TYPO3-Projekt sauber übergeben
Eine bestehende TYPO3-Installation zu übernehmen ist Routine. Schwierig wird es dort, wo niemand mehr weiß, wem der Quellcode gehört, wo die Domain liegt und welche Anpassungen vom Standard abweichen.
Warum gewechselt wird
Die Gründe ähneln sich. Reaktionszeiten, die nicht mehr zum Geschäft passen. Eine Agentur, die den Schwerpunkt verlagert hat und TYPO3 nur noch nebenbei betreut. Personelle Wechsel, nach denen niemand mehr das Projekt kennt. Oder schlicht das Ende einer Zusammenarbeit, die über Jahre gut lief und aus der beide Seiten herausgewachsen sind.
Was fast nie der Grund ist: das System selbst. Eine TYPO3-Installation, die betreut wird, altert langsam. Was in solchen Projekten drückt, ist meist die Betreuung, nicht die Technik.
Was vor dem Wechsel geklärt gehört
Die Nutzungsrechte am individuellen Code. Templates, eigene Erweiterungen, Konfiguration. Ohne eindeutige Rechteeinräumung kann die Übernahme rechtlich schwierig werden, auch wenn technisch alles vorliegt.
Wo die Domain liegt und wer sie verwaltet. Erstaunlich oft steht der Domain-Inhaber auf dem Papier der Agentur. Das lässt sich klären, dauert aber, und mitten im Wechsel ist der ungünstigste Zeitpunkt dafür.
Wem der Hosting-Vertrag gehört. Ein Kundenkonto beim Hoster ist etwas anderes als ein Platz im Sammelkonto der Agentur. Im zweiten Fall gehört zum Wechsel auch ein Umzug.
Welche Lizenzen laufen. Kostenpflichtige Erweiterungen, ein verlängerter Support-Vertrag, Dienste für Suche oder Formulare. Jede Lizenz hat einen Vertragspartner, und der muss nach dem Wechsel noch stimmen.
Der Stand der Dokumentation. Nicht als Selbstzweck, sondern als Zeitfaktor: Was dokumentiert ist, muss nicht rekonstruiert werden.
Was zu einer vollständigen Übergabe gehört
Eine Übergabe ist vollständig, wenn die neue Betreuung ohne Rückfragen an die alte arbeiten kann. Praktisch heißt das: Zugang zum Repository mit vollständiger Historie, ein aktueller Datenbankabzug, der Dateibestand einschließlich der hochgeladenen Medien, Zugänge zu Hosting, Domain und Diensten, dazu die Liste der eingesetzten Extensions mit ihren Quellen.
Dazu kommt das, was nirgends automatisch mitkommt: Wissen über Sonderfälle. Warum eine Seite anders konfiguriert ist als die anderen, welcher Import nachts läuft, welche Weiche im TypoScript für welchen Zweck steht. Ein halbstündiges Gespräch zwischen alter und neuer Agentur ist an dieser Stelle mehr wert als jedes Dokument.
Die Bestandsaufnahme vor dem ersten Handgriff
Wer ein fremdes Projekt übernimmt, sollte es zuerst lesen, nicht sofort anfassen. Sinnvolle Fragen einer ersten Sichtung: Auf welchem Stand ist der Core, und wie lange wird er noch gepflegt? Welche Erweiterungen sind installiert, welche davon werden benutzt, welche sind verwaist? Ist die Installation über Composer verwaltet oder von Hand gewachsen? Gibt es ein Sitepackage, oder liegen Templates verstreut? Existiert eine Versionsverwaltung, und ist der letzte Stand darin auch der Stand auf dem Server?
Dieser letzte Punkt ist der häufigste Fund. Wenn live etwas anderes läuft als im Repository steht, ist jede Änderung ein Risiko, bis der Unterschied geklärt ist. Wie man den Versionsstand danach einordnet, steht unter Wenn der Support endet.
Fair auseinandergehen zahlt sich aus
Ein Wechsel ist kein Urteil über die bisherige Arbeit, und es hilft niemandem, ihn so zu führen. Die alte Agentur hält den einzigen vollständigen Wissensstand über das Projekt; wer sie in eine Verteidigungshaltung drängt, bezahlt das mit Wochen an Rekonstruktion.
Bewährt hat sich ein nüchterner Ablauf: Kündigung fristgerecht und schriftlich, Übergabeliste mit realistischem Termin, ein gemeinsamer Termin für Rückfragen, klare Aussage darüber, bis wann die alte Betreuung noch zuständig ist. Danach ist der Wechsel ein Verwaltungsvorgang und keine Auseinandersetzung.
Wann ein Wechsel keine gute Idee ist
Mitten in einem laufenden Projekt mit fester Frist ist der Wechsel teuer, weil der Einarbeitungsaufwand zusätzlich anfällt. Ebenso, wenn der eigentliche Konflikt ein unklarer Auftrag ist: Wer nicht sagen kann, was er erwartet, bekommt bei der nächsten Agentur dasselbe Ergebnis. Worauf bei der Auswahl zu achten ist, steht unter TYPO3-Agentur auswählen.
Und manchmal reicht ein Gespräch. Zwei von drei Wechselgründen aus der Liste oben lassen sich mit einer klaren Vereinbarung über Erreichbarkeit und Zuständigkeit lösen, ohne dass jemand den Dienstleister wechselt.