Praxis

TYPO3-Extensions bewerten, bevor man sie installiert

Eine Extension ist schnell installiert und schwer wieder loszuwerden. Weil sie beim nächsten Major-Update mitgezogen werden muss, entscheidet die Auswahl über Aufwand, der Jahre später anfällt.

Warum die Auswahl später zählt

Beim Update auf eine neue TYPO3-Version entsteht der Aufwand selten im Core. Er entsteht bei den Extensions: Für jede muss es eine kompatible Fassung geben, sonst braucht es einen Ersatz oder eine eigene Lösung.

Jede Erweiterung, die heute installiert wird, ist damit eine Verpflichtung für später. Diese Perspektive fehlt in der Situation, in der man sie installiert, weil dort ein akutes Problem gelöst werden soll.

Die Kriterien vor der Installation

Pflegezustand. Wann erschien die letzte Fassung, und wurde die aktuelle TYPO3-Version zeitnah unterstützt? Eine Extension, die beim letzten Major-Sprung ein Jahr gebraucht hat, wird auch beim nächsten bremsen.

Verbreitung. Weit verbreitete Erweiterungen werden eher weitergepflegt, und für sie gibt es eher Antworten, wenn etwas klemmt.

Abhängigkeiten. Manche Extensions bringen weitere mit. Aus einer Installation werden dann drei, und jede davon muss beim Update mitgezogen werden. Composer macht diese Abhängigkeiten sichtbar, bevor man sie sich einhandelt.

Funktionsumfang gegen Bedarf. Eine Erweiterung, die zwanzig Dinge kann und von der zwei gebraucht werden, bringt achtzehn potenzielle Fehlerquellen mit.

Eingriffstiefe. Erweiterungen, die sich tief ins System hängen oder Kernverhalten verändern, sind beim Update aufwendiger als solche, die sich auf ihren eigenen Bereich beschränken.

Ausstiegskosten. Was passiert, wenn die Extension in zwei Jahren nicht mehr gepflegt wird? Liegen die Daten in einer eigenen Struktur, die sich auslesen lässt, oder wären sie verloren?

Der Bestand als eigene Aufgabe

In gewachsenen Installationen finden sich regelmäßig Erweiterungen, die einmal für einen bestimmten Anlass installiert und danach vergessen wurden. Sie kosten bei jedem Update Aufwand, ohne dass jemand ihre Funktion vermissen würde.

Eine Durchsicht des Bestands lohnt sich deshalb vor jedem größeren Update. Für jede Extension gilt dieselbe Frage: Wird das noch genutzt, und wenn ja, von wem?

Erfahrungsgemäß lässt sich dabei ein Teil ersatzlos entfernen. Das ist die günstigste Form der Aufwandsreduktion, weil sie nichts kostet außer der Durchsicht.

Wenn eine Extension ausfällt

Es kommt vor, dass eine benötigte Erweiterung für die Zielversion nicht mehr verfügbar ist. Dann gibt es drei Wege.

Ein aktiv gepflegter Ersatz, sofern es einen gibt, der denselben Zweck erfüllt. Dabei ist die Datenmigration die eigentliche Arbeit, nicht die Installation.

Eine eigene Umsetzung des tatsächlich genutzten Teils. Das ist oft weniger, als der Umfang der ursprünglichen Extension vermuten lässt.

Oder der Verzicht, wenn sich herausstellt, dass die Funktion kaum genutzt wird. Diese Möglichkeit wird zu selten geprüft.

Häufige Fragen

Woran erkennt man, ob eine Extension gepflegt wird?

An mehreren Anzeichen zusammen: Wann erschien die letzte Version? Wird die aktuelle TYPO3-Version unterstützt, und wie schnell kam diese Unterstützung nach deren Erscheinen? Werden gemeldete Fehler beantwortet?

Besonders aussagekräftig ist das Verhalten beim letzten Major-Sprung von TYPO3. Wer damals zügig nachgezogen hat, wird es wahrscheinlich wieder tun.

Ist eine eigene Umsetzung besser als eine Extension?

Nicht grundsätzlich. Eine gepflegte Extension, die genau das tut, was gebraucht wird, ist fast immer die bessere Wahl, weil ihre Weiterentwicklung sich auf viele Nutzer verteilt.

Eine eigene Umsetzung lohnt sich, wenn nur ein kleiner Teil des Funktionsumfangs gebraucht wird und die Extension viel Ballast mitbringt, oder wenn die Anforderung so speziell ist, dass jede Erweiterung ohnehin angepasst werden müsste.

Begriffe in diesem Text

Zu viele Extensions im Bestand?

Wir sehen uns die Liste an und ordnen sie nach Pflegezustand und tatsächlicher Nutzung. Oft lässt sich ein Teil ersatzlos entfernen.