Praxis
Mehrsprachige TYPO3-Websites richtig aufsetzen
Mehrsprachigkeit ist einer der stärksten Gründe für TYPO3 — sie steckt im Kern statt in einer Zusatzerweiterung. Der Aufwand liegt trotzdem nicht im Einschalten, sondern in drei Entscheidungen, die man besser vor der ersten Übersetzung trifft.
Übersetzungen sind verknüpft, nicht kopiert
Der wichtigste Unterschied zu Systemen, die Mehrsprachigkeit nachrüsten: In TYPO3 ist eine Übersetzung mit ihrem Original verbunden. Sie ist kein zweiter, unabhängiger Inhalt, sondern eine Sprachfassung desselben.
Daraus folgt vieles von selbst. Das System weiß, welche Seiten übersetzt sind und welche nicht. Ein Sprachumschalter kann auf die passende Fassung zeigen statt auf die Startseite. Und die Verknüpfungen für Suchmaschinen entstehen aus derselben Information.
Drei Entscheidungen am Anfang
Wie Sprachen adressiert werden. Verzeichnis oder eigene Domain: Das legt die Site-Konfiguration fest und bestimmt, wie jede Adresse aussieht. Details dazu unter Routing.
Was mit fehlenden Übersetzungen passiert. Ausblenden oder in der Ausgangssprache zeigen. Diese Einstellung wirkt auf Navigation, Indexierung und darauf, wie vollständig eine Sprachfassung wirkt.
Wer übersetzt und in welchem Ablauf. Intern, extern oder gemischt; mit oder ohne Freigabeschritt. Wenn ein Freigabeprozess nötig ist, lohnt ein Blick auf Workspaces.
Alle drei sind später änderbar, aber jede Änderung zieht Nacharbeit nach sich. Eine Stunde Klärung am Anfang ist die beste Investition des ganzen Projekts.
hreflang: nur was existiert
Sprachverknüpfungen für Suchmaschinen entstehen aus der Konfiguration, nicht aus Handarbeit. Die entscheidende Regel dabei: Eine Angabe darf nur dort stehen, wo die Übersetzung tatsächlich existiert.
Ein Verweis auf eine Sprachfassung, die es nicht gibt, ist schlechter als gar keine Angabe. Suchmaschinen prüfen das und werten die Signale ab, wenn sie nicht stimmen. Genau deshalb ist die Fallback-Entscheidung oben nicht nur eine Frage der Anzeige.
Was in der Pflege wirklich Aufwand macht
Nicht die Technik, sondern die Disziplin. Eine zweisprachige Seite ist erst dann zweisprachig, wenn beide Fassungen gepflegt werden, und die zweite fällt erfahrungsgemäß als erste hinten runter.
Zwei Dinge helfen dagegen. Erstens eine ehrliche Entscheidung darüber, welche Bereiche wirklich zweisprachig sein müssen; nicht jede Unterseite braucht eine englische Fassung. Zweitens ein Backend, das den Zustand sichtbar macht: Wer sieht, welche Seiten unübersetzt sind, schließt die Lücken eher.
Barrierefreiheit gilt je Sprachfassung
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Alternativtexte, Beschriftungen und Fehlermeldungen entstehen je Sprache neu. Eine barrierefreie deutsche Fassung sagt nichts über die englische aus.
Wer beides zusammen denkt, spart doppelte Arbeit: Die Barrierefreiheit gehört ins Sitepackage und in die Redaktionsschulung, und beides betrifft alle Sprachen gleichzeitig.