Entscheidungshilfe
TYPO3-Update oder Relaunch? Eine Entscheidungshilfe
Die Frage taucht in fast jedem Gespräch über eine ältere TYPO3-Installation auf. Sie lässt sich nicht pauschal beantworten, aber die Kriterien, an denen die Antwort hängt, sind überschaubar.
Warum die Frage überhaupt aufkommt
Fast immer ist der Auslöser derselbe: Die eingesetzte TYPO3-Version nähert sich dem Ende ihres Supports oder hat es überschritten. Damit steht eine Entscheidung an, die sich vorher aufschieben ließ.
An diesem Punkt tauchen zwei Angebote auf, die weit auseinanderliegen. Das eine beziffert ein Update, das andere einen Neubau. Der Unterschied wirkt willkürlich, hat aber nachvollziehbare Gründe.
Was ein Update tatsächlich umfasst
Ein Update bringt den Core auf eine neue Version und zieht alles nach, was davon betroffen ist: Extensions, eigener Code, Konfiguration, gelegentlich die Serverumgebung.
Es ändert nicht die Struktur der Seite, nicht die Informationsarchitektur und nicht das Erscheinungsbild. Wenn die Seite vorher unübersichtlich war, ist sie es danach immer noch, nur auf einer aktuellen Version.
Wann ein Update ausreicht
Dafür sprechen mehrere Anzeichen zusammen. Die Struktur der Seite passt noch zu dem, was das Unternehmen tut. Die Redaktion kommt mit dem Backend zurecht. Das Sitepackage ist nachvollziehbar aufgebaut und liegt in einer Versionsverwaltung. Die Anzahl der Extensions ist überschaubar, und die meisten davon werden noch gepflegt. Der Abstand zur Zielversion beträgt ein bis zwei Majors.
Trifft das zu, ist ein Update fast immer der wirtschaftlichere Weg. Es löst das akute Problem und lässt alles andere unangetastet.
Wann ein Relaunch der ehrlichere Weg ist
Dagegen sprechen andere Beobachtungen. Die Seitenstruktur bildet ein Organigramm ab statt der Fragen, mit denen Besucher kommen. Niemand kann sagen, warum bestimmte Dinge im Templating so gelöst sind. Wesentliche Konfiguration steht in der Datenbank. Mehrere Extensions sind seit Jahren ohne Aktualisierung, und für einige gibt es keinen Ersatz. Zwischen aktueller und Zielversion liegen mehrere Majors.
In dieser Lage wird das Update zwar technisch möglich sein, aber der Aufwand nähert sich dem eines Neubaus, ohne dessen Nutzen zu bringen. Man zahlt für den Erhalt eines Zustands, mit dem ohnehin niemand zufrieden ist.
Der Zwischenweg
Es gibt eine dritte Möglichkeit, die selten angeboten wird: Update jetzt, Umbau in Etappen danach. Die Installation kommt zurück in den Support, und die Strukturarbeit passiert in geplanten Schritten über die folgenden Monate.
Das ist besonders dann sinnvoll, wenn die Seite geschäftskritisch ist und eine längere Umbauphase schwer vermittelbar wäre. Voraussetzung ist, dass die Etappen tatsächlich eingeplant und nicht stillschweigend vertagt werden.
Eine Frage, die dabei mitentschieden wird
Bei einem Relaunch stellt sich automatisch die Frage nach Barrierefreiheit. Wer die Templating-Schicht ohnehin neu aufbaut, kann sie von Beginn an richtig anlegen; nachträglich ist derselbe Stand deutlich aufwendiger.
Ähnliches gilt für die Struktur der Adressen. Ein Relaunch ist der Moment, in dem sich URL-Struktur und interne Verlinkung ohne Zusatzkosten neu ordnen lassen, weil ohnehin ein Weiterleitungskonzept entsteht.
Was wir konkret prüfen
Bevor wir eine Empfehlung geben, sehen wir uns immer dieselben Dinge an: die aktuelle Version und den Abstand zur Zielversion, die Liste der Extensions samt Pflegezustand, Umfang und Zustand des eigenen Codes, ob die Installation über Composer verwaltet wird, wo Konfiguration liegt, und wie die Seitenstruktur zu den tatsächlichen Aufrufen passt.
Daraus ergibt sich in aller Regel ein klares Bild. Wenn nicht, sagen wir auch das, statt eine Zahl zu nennen, die auf Vermutungen beruht.