Systemwahl
Von WordPress zu TYPO3 wechseln
Ein Systemwechsel ist kein Selbstzweck. Wenn er ansteht, dann meist aus einem konkreten Anlass: mehrere Sprachen, mehrere Marken, Redaktionsrechte, die WordPress nur mit Erweiterungen abbildet. Wie so ein Wechsel abläuft und woran er hängt.
Zuerst: die ehrliche Frage
Ein Systemwechsel kostet Geld und Aufmerksamkeit. Er lohnt sich, wenn WordPress an einer konkreten Anforderung scheitert, nicht, weil TYPO3 als professioneller gilt.
Die typischen Anlässe sind immer dieselben: Mehrsprachigkeit, die mit Erweiterungen unübersichtlich geworden ist. Mehrere Auftritte, die sich eine Pflege teilen sollen. Rechtestrukturen, die feiner sein müssen als Rollen. Oder eigene Datenstrukturen, die sich nicht mehr in Beiträge pressen lassen.
Fehlt ein solcher Anlass, ist unsere Empfehlung meistens: bleiben. Wir sagen das auch dann, wenn es gegen den eigenen Auftrag spricht.
Was zuerst passiert: Bestandsaufnahme
Am Anfang steht keine Entwurfsarbeit, sondern eine Liste. Welche Seiten und Beiträge gibt es? Welche werden tatsächlich aufgerufen? Welche ranken? Welche Erweiterungen sind im Einsatz, und welche Funktion davon muss wirklich mitkommen?
Diese Liste liefert drei Dinge auf einmal: den Umfang der Inhaltsmigration, die Grundlage für das Weiterleitungskonzept, und die Gelegenheit auszusortieren. Bei den meisten gewachsenen Seiten fällt dabei ein erheblicher Teil weg: Inhalte, die seit Jahren niemand öffnet und die trotzdem gepflegt werden müssen.
Inhalte übertragen
Was gut geht: Seiten und Beiträge mit klaren Feldern, Mediendateien samt Metadaten, Kategorien und Schlagworte, Autorenzuordnung.
Was Handarbeit bedeutet: Inhalte aus einem Seitenbaukasten. Sie liegen häufig als verschachtelte Struktur in einem einzigen Feld und müssen in echte Inhaltselemente übersetzt werden. Genau hier entscheidet sich der Aufwand einer Migration, und genau das lässt sich nicht schätzen, ohne in die Daten gesehen zu haben.
Was nicht mitkommt: Erweiterungen. Ein Formular-Plugin, ein Slider, ein Buchungssystem: Jede dieser Funktionen wird in TYPO3 neu gelöst, nicht übertragen. Das ist kein Nachteil, sondern die Gelegenheit zu prüfen, ob die Funktion überhaupt noch gebraucht wird.
Das Weiterleitungskonzept
Der Punkt, an dem Rankings verloren gehen. WordPress und TYPO3 bauen Adressen unterschiedlich auf; ohne Zuordnung läuft jede bestehende Adresse ins Leere.
Vier Regeln, die wir dabei einhalten: Jede alte Adresse bekommt ein eigenes Ziel, nie eine Sammelweiterleitung auf die Startseite. Dauerhafte Weiterleitungen, keine temporären. Keine Ketten: Zeigt A auf B und B auf C, dann direkt A auf C. Und getestet wird vor dem Umschalten, gegen die vollständige Liste aus der Bestandsaufnahme.
Titel, Beschreibungen und strukturierte Daten der starken Seiten übernehmen wir, statt sie neu zu erfinden. Ausführlicher steht das unter TYPO3-Relaunch.
Was danach anders ist
Für Redakteure ändert sich der Alltag spürbar. TYPO3 trennt Seiten und Inhaltselemente klarer, das Backend ist umfangreicher, und Rechte greifen feiner. Das ist Gewöhnung, keine Hürde, aber es gehört eine Schulung dazu, nicht nur eine Übergabe.
Für den Betrieb ändert sich der Rhythmus. Statt vieler kleiner Erweiterungs-Updates gibt es weniger, dafür planbare Aktualisierungen und einen bekannten Lifecycle. Was das an Wartung bedeutet, steht unter TYPO3-Wartung.
Eine realistische Reihenfolge
Bestandsaufnahme und Aussortieren. Struktur und Inhaltselemente festlegen. Neue Installation aufbauen. Inhalte migrieren und prüfen. Weiterleitungen anlegen und gegen die alte Liste testen. Umschalten. Danach Search Console und Fehlerprotokolle beobachten.
Der Schritt, der am häufigsten unterschätzt wird, ist der vierte. Wer Inhalte erst nach dem Aufbau anfasst, verlängert das Projekt um genau die Zeit, die dieser Schritt braucht.